Jubiläumsausgabe erschienen: 30 Jahre GERBERGASSE 18
Nach Gründung der Geschichtswerkstatt Jena am 17. Juni 1995 – symbolträchtig am Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR – fand der Verein schließlich in der Gerbergasse 18 eigene Räumlichkeiten und es entstand die Idee, nicht nur regelmäßig Vorträge, Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen zu organisieren, sondern auch eine eigene Publikation herauszugeben. An dem vormals angsteinflößenden Ort (Kreisdienststelle der Geheimpolizei), wo über Lebensläufe und Laufbahnen entschieden wurde, wo Berichte angelegt, Menschen gedemütigt und „Zersetzungen“ geplant wurden, sollte ein Periodikum für die historisch-politische Aufarbeitung entstehen. Damit wurde beabsichtigt, dass „Themen der regionalen Geschichte unter besonderer Berücksichtigung Jenas während der zwei Diktaturen dieses Jahrhunderts öffentlichkeitswirksam behandelt werden“, wie es in der ersten Vereinssatzung hieß.
Ein Jahr später lag die erste Ausgabe der fortan vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift vor, in den ersten zehn Jahren mit dem Untertitel „Forum für Geschichte und Kultur“. Das Editorial im Heft 1 skizzierte mit dem programmatischen Titel „Gegen Geschichtsklitterung“ das Profil und die Ausrichtung. Hier wurde kein Rundbrief eines gemütlichen Geschichts- oder Heimatvereins eingeleitet, sondern die Sichtbarmachung der doppelten Diktaturvergangenheit, das Benennen der Täter sowie das Ausleuchten tabuisierter Bereiche der Stadt- und Regionalgeschichte angemahnt. Zugleich entwickelte sich der Verein zu einer Anlaufstelle für Geschichtsinteressierte und Betroffene von SED-Unrecht.
Der Zeitschriftenname wurde allmählich zum Markenkern und das Werkstattprojekt konnte sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten – auch über Thüringen hinaus – etablieren. Viele Personen und Institutionen haben im Vorder- und Hintergrund dazu beigetragen, dass die Vierteljahresschrift durchgehalten und überlebt hat – durch vielfältige Förderung, Unterstützung und Mitarbeit. Nicht zuletzt gilt denen unser Dank, die die Zeitschrift lesen, abonnieren, empfehlen, weiterreichen und kritisch begleiten. 30 Jahre „Gerbergasse 18“ bieten den Anlass und den Rahmen, in diesem erweiterten Jubiläumsheft auf Geschichte und Gegenwart der Zeitschrift zu blicken.
Der einstige Gebäudekomplex der DDR-Staatssicherheit ist längst überbaut und wird heute von der Jenaer Stadtverwaltung genutzt. Das frühere Stasi-Gebäude in der Gerbergasse wurde 2007 abgerissen. Geblieben ist die „Gerbergasse 18“, um alten und neuen Formen der Geschichtsklitterung, dem Schönreden der Diktatur und der Verharmlosung von politisch motiviertem Unrecht entgegenzutreten.
Das Inhaltsverzeichnis und einige Leseproben der Jubiläumsausgabe finden Sie HIER.
Das Heft ist wie üblich im lokalen Buchhandel, an ausgewählten Verkaufsorten sowie direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.
