Geschichtsverbund Thüringen
Arbeitsgemeinschaft zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ zum Schwerpunkt Medien und Macht erschienen

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ widmet sich dem vielfältigen Spannungsfeld zwischen Medien und Macht. Das Titelthema enthält unter anderem einen biografischen Essay über die Gallionsfigur der DDR-Medien: Karl-Eduard von Schnitzler (1918–2001). Vor allem bekannt als Protagonist der Sendung „Der Schwarze Kanal“, die zwischen März 1960 bis Ende Oktober 1989 im Fernsehen der DDR ausgestrahlt wurde. Der renommierte Historiker Gunter Holzweißig, der Schnitzlers Leben intensiv erforschte, zeichnet ein vielschichtiges Porträt des einstigen Chefkommentators, dessen Widersprüchlichkeit in der Überschrift „Agitator und Bourgeios“ zum Ausdruck kommt. Der Leser erfährt im Artikel aber auch mehr über den Ursprung der Schmähung „Sudel-Ede“, zu Schnitzlers letztlich erfolgloser Strategie im Herbst 1989 und wie er seinen Lebensabend als streitlustiger Politrentner verbrachte.

Weitere Beiträge beleuchten das dichte Beziehungsgeflecht aus Kommunikation, Zensur und Berichterstattung anhand von konkreten Fällen: die linguistische Fahndungshilfe durch Wissenschaftler mittels Schriftgutachten und Stimmanalysen anonymer Anrufer für das Ministerium für Staatssicherheit, quellenkritische Fragen an das gerettete Bildarchiv eines Pressefotografen in Saalfeld, die weitreichenden Auswirkungen des sogenannten „Sputnik-Verbotes“ 1988 an einer Jenaer Schule sowie die kaum bekannten ausländerfeindlichen Ausschreitungen gegen algerische Vertragsarbeiter im August 1975 in Erfurt.

In den zusätzlichen Heftrubriken informieren weitere Texte aus Zeitgeschichte und Zeitgeschehen. Etwa über den Post- und Paketverkehr als Spiegelbild der deutsch-deutschen Teilung, die Legendenbildung um den Tod des Erfurter Kommunisten Paul Schäfer, die Rolle der Widerstandskämpferin Greta Kuckhoff oder den Ablauf einer einzigartigen Jugendversammlung in Gotha im Vorfeld der Friedlichen Revolution. Abschließend zeigt eine Filmrezension über die neuen Produktionen „Gundermann“ und „Ballon“, wie innovativ und differenziert DDR-Geschichte inzwischen filmisch erzählt und inszeniert werden kann.