Geschichtsverbund Thüringen
Arbeitsgemeinschaft zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Neue Ausgabe der GERBERGASSE 18 zum Schwerpunkt AKTEN erschienen

In der neuen Ausgabe wird das Themenfeld AKTEN aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Positionen beleuchtet. Wichtige Bezugspunkte sind dabei die Sicherung und Rettung der Akten vor der begonnenen Vernichtung im Zeitfenster Ende 1989 bis Anfang 1990, die heftige Debatte um deren gesellschaftliche Sprengkraft (Vernichten vs. Bewahren) und die letztendlich beispielgebende Schaffung eines Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG), das eine persönliche Akteneinsicht seit 1992 ermöglichte. Zwei Interviews versuchen die damalige Situation darzustellen: Roland Geipel spricht über die Lage in Gera 1989/90 und seine Beweggründe für das Lesen und Bewahren der Aktenkilometer; Frank Ebert war im September 1990 Teil einer Gruppe, die durch die medienwirksame Besetzung der vormaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg einen geregelten Zugang zu den Akten erstritten hat. Im Sommer 2021 wurden die Stasi-Akten formell in das Bundesarchiv eingegliedert und die Sonderbehörde des Bundesbeauftragten (BStU) nach 30 Jahren aufgelöst. Der bisherige Zugang für Betroffene und Forschende soll weiterhin erhalten bleiben. Was fördert die Akten-Einsicht für individuelle Erkenntnisse zutage, was macht die Lektüre mit dem Einzelnen und welche Fragen bleiben bei den Lesern offen? Darüber ist relativ wenig bekannt nach 30 Jahren Stasi-Forschung zu Wirkung und Wirkungsweisen der DDR-Geheimpolizei. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, was eigentlich aus dem hauptamtlichen Stasi-Peronal, den Akten-Produzenten, nach 1990 wurde?

Aber auch viele weitere Themen und Beiträge bietet das neue Heft 101: etwa zur Geschichte des Roten Kreuzes in der DDR, zu den frühen Hackerkulturen in Ost und West oder zur Traumatierung infolge politischer Haft – und den Nachwirkungen bis heute. Ebenso enthalten ist ein Artikel zur Überwindung der deutsch-deutschen Teilung durch Liebesbeziehungen im Eichsfeld sowie ein Kommentar zum Verbot der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL in Russland, das (im Rückblick betrachtet) leider nur den Auftakt für eine neue Verbotswelle gegenüber den wenigen unabhängigen Stimmen der russischen Zivilgesellschaft markierte. In zwei Rezensionen werden Neuerscheinungen vorgestellt: das oft reißerisch und voyeuristisch behandelte Thema Prostitution in der DDR und die Rolle kybernetischer Einflüsse auf die überwachungstechnischen Fähigkeiten des MfS.
Das Heft ist wie immer direkt über die Geschichtswerkstatt oder den lokalen Buchhandel erhältlich.

Eine Inhaltsübersicht und einige Leseproben finden Sie hier.