Geschichtsverbund Thüringen
Arbeitsgemeinschaft zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit Schwerpunkt „Zukunft“ erschienen

Gerade in Krisenzeiten beschäftigen uns Fragen nach der Zukunft. Doch wie „wir“ in 50 oder 100 Jahren leben werden, das bestimmte schon immer die Träume, Wünsche und Hoffnungen der Menschen. Dabei neigen die Voraussagen, Prognosen und literarischen Entwürfe – gerade im 20. Jahrhundert mit seinen Katastrophen und Weltkriegen – in zwei entgegengesetzte Richtungen: die Utopie, als optimistisch-positiver Zukunftsentwurf, und die Dystopie, als pessimistisch-negatives Szenario, meist dargestellt als direkte Folge einer fortschrittsgläubigen und -hörigen Gesellschaft. Ein Blick in inzwischen historische Zukunftsbilder zeigt, dass konkrete Annahmen über „die Welt von morgen“ selten zutrafen, gerade wenn das Zukunftsdenken mit dem Glauben an neue Technologien aufgeladen wurde. Besonders die 1960er Jahren können rückblickend als „utopisches Jahrzehnt“ gelten, in dem Schulkinder sich auf ihren Zeichnungen im Jahr 2000 auf fernen Planeten spazieren gehen sahen und an dessen Ende die Mondlandung die Raketenträume ganzer Generationen einlöste. Planungseuphorie und neue Erkenntnisse in Medizin und Technik bildeten die Grundlage für die Vorstellung einer schier uneingeschränkten Ausnutzung von Bodenschätzen, Naturressourcen und Körpern. Wie eine zukünftige Welt aussehen könnte, ob in ihr Maschinen und Erfindungen zum Wohle aller dienen oder einseitig missbraucht werden, hat stets auch Künstlerinnen und Künstler begeistert und inspiriert: in Filmen, Romanen und Comics, aber auch in der Bildenden Kunst, der Architektur oder der Populärkultur.
Eine der berühmtesten Negativ-Utopien, der 1949 erschienene Roman „1984“, wird gerne synonym mit den Gefahren des Überwachungsstaates gesetzt. Wie die Zensur und die Verfolgung durch die Geheimpolizei dessen Verbreitung in der DDR verhindern sollte, wird in einer Rezension über ein Kompendium zu den „Zensurwerkstätten der DDR“ durch Baldur Haase vorgestellt, der 1959 wegen des Buches von George Orwell selbst verhaftet wurde. Einem anderen aufklärerischen Autor, Psychologen und Wahrheitssucher ist ein Porträt gewidmet, denn er wäre am 19. Dezember 2020 siebzig Jahre alt geworden: Jürgen Fuchs. Sein literarischer Widerstand gegen die Umstände endete durch den frühen Tod 1999. Ein anderer Beitrag berichtet über die Spät- und Folgeschäden unter den Wismut-Kumpeln. Viele erkranken erst Jahrzehnte später an Krebs, doch die eindeutige Anerkennung als Berufskrankheit wird oft weiterhin verwehrt.

Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 97) ist infolge die aktuellen Einschränkungen nur direkt über die Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

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