Geschichtsverbund Thüringen
Arbeitsgemeinschaft zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Auftakt der Veranstaltungsreihe „Leben auf der Baustelle?! – Bauen und Wohnen in der DDR“

Podium: „Jena-Neulobeda: Alltag in einer ’sozialistischen Modellstadt‘ der späten Ulbricht-Ära“

 

Am Donnerstag, den 3. Mai 2018 organisiert das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAZ) ein Podium zu den neu entstehenden Plattenbausiedlungen in der DDR der 1960er Jahre. Anhand des Beispiels Jena-Neulobeda fragt das Podium danach, inwiefern sich politische Ansprüche mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner deckten.

 

Das Gespräch bildet den Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Thema „Leben auf der Baustelle?! – Bauen und Wohnen in der DDR“. Die Reihe verfolgt einen alltagsgeschichtlichen Ansatz, indem sie nach Gestaltungsspielräumen der Menschen in der DDR im Bezug auf die Themen Bauen und Wohnen fragt.

 

Seit Ende der 1950er Jahre waren Architektur und Städtebau in der DDR in den Dienst der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ gestellt worden: Beide sollten der „Herausbildung sozialistischer Beziehungen zwischen den Menschen“ dienen. Eine Umgestaltung zur „sozialistischen Modellstadt“ war in den 1960er Jahren auch für die Jenaer Innenstadt vorgesehen. Nach einem Entwurf des Architekten Hermann Henselmann von 1969 sollte die Altstadt mit mehrgeschossigen Wohngebäuden überbaut werden – ein Plan, der letztlich nie umgesetzt wurde. Bereits 1960 hatten darüber hinaus die Planungen für die Bebauung von Lobeda in industrialisierter Blockbauweise begonnen, um den erhöhten Bedarf an Wohnraum für zuziehende Lehrlinge, Facharbeiter und deren Familien abzudecken.

 

1967 zogen die ersten Bewohner ein, obwohl das Wohngebiet noch einer Baustelle glich. Trotz seines provisorischen Charakters war der Standort begehrt: Im Gegensatz zu vielen Altbauwohnungen waren die Neubauten nicht nur mit Innentoiletten, sondern auch mit Fernwärme und fließendem Wasser ausgestattet.

 

Wie sich über diesen Aspekt hinaus der Alltag in einer Plattenbausiedlung in den 1960er Jahren gestaltete, beleuchtet das ThürAZ am Beispiel Neulobeda in einem Podium am 3. Mai. Über die Frage, inwiefern sich die politischen Ansprüche mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner in Neulobeda deckten, spricht die freiberufliche Journalistin Doris Weilandt mit dem Stadthistoriker Dr. Rüdiger Stutz und dem Zeitzeugen Karl Otto. Zu Beginn steht ein Impuls durch den Stadthistoriker. Der Eintritt ist frei.

Gefördert wird die Veranstaltungsreihe von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Podium: „Jena-Neulobeda: Alltag in einer ’sozialistischen Modellstadt‘ der späten Ulbricht-Ära“

 

Impuls: Dr. Rüdiger Stutz (Stadthistoriker)

Zeitzeuge: Karl Otto (Erstbezügler Neulobeda)

Moderation: Doris Weilandt (freie Journalistin)

 

Ort: Stadtmuseum Jena, Markt 7, 07743 Jena

Termin: Donnerstag, 3. Mai 2018, 19.00 Uhr